Sparkassen-Tourismusbarometer 2026 vorgestellt
Qualität, Digitalisierung und Energieeffizienz als Schlüssel für die Zukunft — auch der Campingwirtschaft
Am Montag, 14. September 2026, haben der Sparkassenverband Rheinland-Pfalz und das Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Energie und Klima im Schloss Waldthausen in Budenheim die Ergebnisse des Sparkassen-Tourismusbarometers 2026 präsentiert. Vorgestellt wurden die Ergebnisse von Thomas Hirsch, Präsident des Sparkassenverbandes Rheinland-Pfalz, und Tourismusminister Michael Ebling. Die fachliche Einordnung übernahmen Karsten Heinsohn (Geschäftsführer dwif-Consulting) und Prof. Dr. Bernd Eisenstein (Direktor Deutsches Institut für Tourismusforschung); die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH hat das Projekt fachlich begleitet. Für den VCRS war der Vorsitzende Timo Koch vor Ort.
Klare Botschaft an die Betriebe
Die Kernaussage des diesjährigen Barometers ist unmissverständlich: Steigende Ansprüche der Gäste an Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis treffen auf ein wirtschaftlich schwieriges Umfeld. Wirtschaftskrise, geopolitische Unsicherheiten, gestiegene Kosten und Fachkräfteengpässe erhöhen den Anpassungsdruck. Sparkassenverbands-Präsident Thomas Hirsch fasste es pointiert zusammen: „Wer jetzt nicht in Qualität, in Digitalisierung, in Energieeffizienz investiert, verliert.“ Reiselust sei nach wie vor vorhanden, werde aber von Unsicherheit begleitet — Vertrauen, Verlässlichkeit und Effizienz seien deshalb die entscheidenden Stellhebel für die kommenden Jahre.
Campingwirtschaft: Wachstumstreiber mit besonderer Verantwortung
Für die rheinland-pfälzische Campingwirtschaft sind die Erkenntnisse in doppelter Hinsicht bedeutsam. Zum einen bestätigt die Datenlage die außerordentliche Dynamik des Segments: Bereits 2025 legte der Campingtourismus im Land mit +16,7 Prozent bei den Gästeankünften und +13 Prozent bei den Übernachtungen deutlich stärker zu als jede andere Betriebsart. Auch im ersten Quartal 2026 wuchsen Camping- und Reisemobilplätze mit +14 Prozent bei den Übernachtungen an der Spitze aller Beherbergungsformen; im Zeitraum Januar bis April 2026 lagen sie mit +5,5 Prozent weiter über dem Landesdurchschnitt. Damit ist Camping heute ein tragender Pfeiler des Landestourismus.
Zum anderen — und das ist die eigentliche Botschaft für unsere Mitglieder — entbindet dieses Wachstum die Betriebe nicht von den vom Barometer klar benannten Hausaufgaben. Im Gegenteil: Gerade wer erfolgreich ist, muss jetzt investieren, um die Position zu halten.
Die zentralen Handlungsfelder — übertragen auf den Campingplatz
Das Barometer 2026 benennt vier konkrete Handlungsempfehlungen, die für Campingbetriebe unmittelbar anwendbar sind:
1. Digitale Sicht- und Buchbarkeit ausbauen. Der Barometer-Befund ist klar: Buchbare Produkte gehören konsequent in den Fokus. Gäste erwarten heute selbstverständlich, online zu recherchieren, zu vergleichen und in wenigen Klicks zu buchen — auch beim Stellplatz, beim Mietchalet und bei Zusatzleistungen. Wer hier nicht sichtbar und buchbar ist, verliert Reichweite an besser aufgestellte Anbieter.
2. Aktives Preismanagement einführen. Angesichts stark schwankender Auslastung über das Jahr empfiehlt das Barometer, Preise konsequent am Deckungsbeitrag auszurichten und in der Nebensaison flexibel zu gestalten. Für Campingplätze heißt das: weg von starren Preislisten, hin zu differenzierten Tarifen nach Nachfrage, Saison und Belegung — Yield-Management ist längst nicht mehr nur ein Thema der Hotellerie.
3. Nebensaison gezielt aufwerten. Für ein saisonal geprägtes Geschäft wie den Campingtourismus ist dies vielleicht die wichtigste Empfehlung überhaupt. Nebensaisonangebote — thematische Wochenenden, Wander- und Radangebote in Kooperation mit den Regionen, verlängerte Saisonstarts durch witterungsunabhängige Infrastruktur — sind der Schlüssel zur Ganzjahresrentabilität.
4. Die regionale Bevölkerung als Kurzurlaubs-Zielgruppe stärker in den Blick nehmen. Das Barometer weist ausdrücklich auf das Potenzial hin, Menschen aus der eigenen Region als Gäste zu gewinnen. Für die Campingwirtschaft heißt das vor allem: den Campingplatz als naheliegendes Ziel für Kurzurlaube zu positionieren. Zwei, drei Nächte raus aus dem Alltag, Tapetenwechsel ohne lange Anreise, Kraft tanken in der Natur vor der eigenen Haustür — das entspricht einem wachsenden Bedürfnis, gerade in unsicheren Zeiten mit knapperen Reisebudgets und begrenzter Urlaubszeit. Campingplätze in Rheinland-Pfalz und im Saarland sind für die Bevölkerung der eigenen und der benachbarten Bundesländer (NRW, Hessen, Baden-Württemberg, Luxemburg) in kurzer Fahrzeit erreichbar. Wer diese Nähe konsequent bewirbt — mit Kurzurlaubs-Paketen, Wochenend-Arrangements, Wellness- und Natur-Angeboten — erschließt sich ein stabiles Zusatzsegment, das unabhängig von internationalen Reiseströmen und geopolitischen Unsicherheiten funktioniert.
Flankiert werden diese betrieblichen Handlungsfelder durch die vom Barometer besonders hervorgehobenen Investitionsschwerpunkte Qualität, Digitalisierung und Energieeffizienz — also genau jene drei Bereiche, in denen sich mittelfristig entscheidet, welche Betriebe wettbewerbsfähig bleiben.
Position und Projekte des VCRS
Der VCRS versteht die Handlungsempfehlungen des Barometers als klare Bestätigung des eingeschlagenen Kurses. Die vom Verband vorangetriebenen Projekte adressieren die identifizierten Handlungsfelder unmittelbar:
- Die gemeinsame Digitalisierungsinitiative „Camping im Südwesten“ mit der onlinejungle.camp GmbH und der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH schafft genau jene digitale Sicht- und Buchbarkeit, die das Barometer einfordert — Campingplätze werden systematisch in die digitalen Vertriebswege integriert und mit modernen Buchungs- und Preismanagement-Werkzeugen ausgestattet.
- Über ECOCAMPING, dessen Vorsitz Timo Koch ebenfalls innehat, werden Nachhaltigkeit und Energieeffizienz auf den Plätzen strukturiert vorangetrieben — ein Handlungsfeld, das mit steigenden Energiekosten und Gästeerwartungen weiter an Bedeutung gewinnt.
- Im Bereich Qualität engagiert sich der VCRS für Klassifizierungen und Qualitätsstandards, die den Mitgliedsbetrieben Orientierung geben und ihnen im Markt Sichtbarkeit verschaffen.
Zugleich unterstreicht das Barometer die Notwendigkeit, den Campingtourismus als gleichberechtigten Teil der Landestourismusstrategie zu verankern und Investitionen der Betriebe durch verlässliche Rahmenbedingungen und Förderprogramme zu unterstützen — eine Forderung, die der VCRS gegenüber Politik und Landestourismus konsequent vertritt.
Ausblick
Die vollständigen Ergebnisse des Sparkassen-Tourismusbarometers 2026 werden im Tourismusnetzwerk Rheinland-Pfalz zum Download bereitgestellt.
Tourismusnetzwerk Rheinland-Pfalz
Kurzversion Sparkassen Tourismusbarometer Rheinland-Pfalz 2026
Langversion Sparkassen Tourismusbarometer Rheinland-Pfalz 2026